Über die Bilder
About the Paintings 

Nudelsalat Flip-Flop

In "As Good as It Gets" („Besser geht´s nicht“) haben Carol (Helen Hunt), Melvin (Jack Nicholson) und Simon (Simon Kinnear) dem „Nudelsalat“ ein Denkmal gesetzt. Im Gegensatz zu Carol und Simon behauptete Melvin, dass es auch die glücklichen Familien gäbe: Familien, die Nudelsalat-Picknicks veranstalten und sich selbst und das Familienleben genießen. 

Ich habe die Nudelsalat-Metapher sofort sehr gemocht. Ich war entschlossen, sie zu malen. Doch als ich mitten im Prozess war und das Bild gefühlte hunderte Male verändert hatte, musste ich seufzen. Vielleicht passte die Nudelsalat-Metapher einfach nicht zu mir und blieb deshalb stecken. Ich schaute mir das Bild an und beschloss, es auf den Kopf zu stellen. Von da an waren mir die Dinge klar und fielen mir leicht. Ich machte daraus sozusagen ein "Wendebettwäsche-Unterfangen". Ich habe das Bild während des Malens viel hin und her gedreht, damit es "funktioniert". Nudelsalat-Picknick und Nudelsalat-Raumschiff - ich mag beide Ideen.
 

Nudelsalat Flip-Flop 

In “As Good as It Gets” Carol (Helen Hunt), Melvin (Jack Nicholson), and Simon (Simon Kinnear) the noodle salad had its momentum. In contrast to Carol and Simon Melvin claimed that there were also happy families: families who have noodle salad picnics, enjoying themselves and family life. 

I always loved the noodle salad metaphor. I was determined to paint it. However, as I was in the middle of the process, having changed the painting a “hundred times” I found myself sighing. Maybe the noodle salad idea wasn’t meant for me after all and that`s why I got stuck. I looked at the painting and then decided to flip the painting upside down. From there, things were clear to me and came easily. I made it a “Wendebettwäsche undertaking” (reversible bed linen?). Flipping it back and forth a lot and painting to make it “work”. Noodle salad picnic and noodle salad spaceship – I like both ideas J 

Ela! | Zinnie

Wie es war.                                                                                                                                 

Es war an einem schönen sonnigen Tag im Frankfurter Nordend. Letzte zarte Wolkenschleier zogen nach Nord-Ost. Ich sah auf die Zinnien und ihre Schattenwürfe auf der leicht verwitterten Zinkverschalung des Dachfensterausschnittes, gerahmt vom alten Schiefer der Gaube. Am Rande des sich verändernden Zinnien-Völkchens stand die eine Unentschlossene. Tief in ihrem Unbewussten hörte sie sich selbst sagen: „Ela!“ 

 

Los! Auf geht´s! Beweg dich! All das ist “Ela!” (griech.). Die Situation beobachtend, ergänzte ich für sie: „Schau dich mal um – Dinge verändern sich. Es ist Zeit. Du kannst das!“ 

 

Ela! | Zinnia

How it began.

It was a beautiful sunny day in Frankfurt Northend. The last delicate veils of clouds moved to the northeast. I looked at the zinnias and their shadows on the slightly weathered zinc boarding of the roof’s cutout, framed by the old slate of the dormer. A little outside of the zinnia cluster, which was about to transform itself, stood the one undecided. Deep in the flower’s unconscious, it heard itself saying, "Ela!" 

Go! Let's go! Move! All that is "Ela!" (Greek). Observing the situation, I added to her, "Look around you - things are happening. It's time. You can do this!"
 

BAM | Waldkornblume

Wie es war.                                                                                                                                 

Stell dir vor, du stündest im Redwood Nationalpark umgeben von über 100m hohen Sequoia Bäumen auf engstem Raum. Oder anders ausgedrückt: Nimm an, Du seist ein Zwerg unter Riesen. Ein Zwerg umgeben von einem Zaun. Ungefähr so stellte ich mir die Waldkornblume in einem Vorgarten im Frankfurter Nordend vor: Alles ist höher als sie und sie ist eingegrenzt.

Plötzlich machte es “BAM”. Für mich stehen diese drei Buchstaben für Leidenschaft oder Energie, die sich entlädt. War die Blume verliebt? Wollte sie den Zaun sprengen? … Deine Entscheidung :) Ganz sicher war sie eine Blume mit Willenskraft. Warum sich der Qualm in einer eher kontrollierten Wolke ausbreitet, ist eine andere Geschichte.

 

BAM | Knapweed

How it began.

Imagine you are standing in the Redwood National Park surrounded by over 100m high Sequoia trees in a very small space. Or, to put it another way, imagine that you are a dwarf among giants. A dwarf surrounded by a fence. That's how I imagined the knapweed in a front yard in Frankfurt's Northend: everything is higher than this flower, plus it is enclosed.

Suddenly the knapweed flower went "BAM." For me, these three letters stand for passion or energy that is discharged. Was the flower in love? Did it want to blow the fence? ... Your decision :) For sure a being with some willpower. Why the smoke spread in a rather controlled cloud is another story.

 

Oxytocin Secretion? | Roter Fingerhut 

Wie es war.                                                                                                                                 

Selbst der eher schlammig aussehende Main im Frankfurter Zentrum kann sich in funkelnde Lila- und Blautöne verwandeln, wenn wir verliebt sind. Für manche ist dieses Gefühl ein Bad in Wundern: Sprechende Rote Fingerhüte, die wie ein Füllhorn ihre Punkte ausschütten. Als würden wir eine Seite in einem Märchenbuch gestalten. Das Pferd des Prinzen und der Prinzessin aus dem nahen Stall. 

 

Für die stark Rationalen unter uns stellt sich Verliebtsein anders dar: als reine Chemie in unserem Körper bereit für den Rock & Roll. Eine Oxytocin-Ausschüttung?  Ob wir das Verliebtsein eher emotional oder eher rational betrachten – beide Ansätze sind prima. Am Ende ist alles schön. 

  

Oxytocin Secretion? | Purple Foxglove 

How it began. 

 

Even a rather muddy-looking Main River in Frankfurt/Germany can turn into sparkles of purples and blues when being in love. For some this sentiment is a bath in miracles: talking purple foxgloves letting go of their dots as if being cornucopias. Creating a page in a fairy tale book. The prince´s and princess´s horses from the barn nearby. 

 

For the highly rational among us, being in love presents itself differently: it is all about chemistry in our body starting to rock & roll. An oxytocin secretion? Both approaches – being rather emotional and being rather rational are fine. In the end, everything is beautiful. 
 

…??!! | Pfirsichblättrige Glockenblume 

Wie es war.                                                                                                                                 

Ich spazierte mit unserem Hund, Ella, durch das Frankfurter Nordend. Sie schnüffelte glücklich und gemächlich vor sich. Das gab mir Zeit, Fotos zu machen. Da sah ich die am zarten Stängel hochgewachsene Glockenblume. Sie wurde mit einer türkisfarbenen Plastikklammer mit dem Zaun aus Eisenstäben, sicherlich gut gemeint, verbunden. Die Szene fand ich interessant. 

 

Manchmal ist es für mich schwer zu sagen, ob es besser ist, ohne Unterstützung frei zu wachsen, etwas Unterstützung zu bekommen oder mit einigen Anpassungen gemeinsam zu wachsen. Ob es besser ist, zu fragen: "Würdest du mich festhalten??" oder zu schreien: "Lass mich frei!!" Dieses Dilemma führte zum Titel. 

 

…??!! | Bellflower 

How it began. 

I was walking our dog, Ella, through Frankfurt's Northend. She sniffed happily and leisurely. It gave me time to take photos. That's when I saw the bellflower growing up high on its delicate stem. The bellflower was connected with a turquoise plastic clip to the fence of iron bars, surely well meant by the proprietor. I found the scene interesting. 

 

Sometimes it's hard for me to tell whether it's better to grow freely without support, some support, or to grow together with some adjustments. Whether it's better to ask, "Would you hold me??" or to scream, "Set me free!!" This dilemma led to the title. 
 

I’m out | Japanische Strauchspiere 

Wie es war.                                                                                                                                 

Ein weißer Blütenball mit winzigen grünen und gelben Tupfen. So lag er an seinem  kurvigen Stengel wie gerollt auf dem Asphaltplaster, seinen „Bobbes“ irgendwo im grünen Dickicht auf der anderen Seite des Zaunes im Frankfurter Nordend. Sie hat es geschafft, dachte ich bei mir, und hörte die Spiere sagen: „Ich bin draußen.“ Gleichzeitig wie als eigenständiges Echo rief es: „Ich bin drin.“ Alles eine Frage der Perspektive; eine Frage von Raum und Zeit. 

 

So schaue ich nun auf das Bild und frage mich lächelnd, wo bin ich denn jetzt eigentlich? 

 

I’m out | Japanese Shrub Spar 

How it began. 

A white blossom ball with tiny green and yellow spots. It lay on its curvy stem as if rolled on the asphalt pavement, its "bobbes" (Frankfurt dialect for “backside”), somewhere in the green thicket on the other side of the fence in Frankfurt's Northend. It made it, I thought to myself, and heard the spar say, "I'm out!" At the same time, as if as an independent echo, it called out, "I'm in!" It's all a matter of perspective; a matter of space and time. 

 

So now I look at the picture and ask myself with a smile, where am I actually now? 
 

Animated Icon | Narzisse 

Wie es war.                                                                                                                                 

Die Regentropfen auf den Grashalmen sind in diesem Bild die "Icons". Die Tropfen rinnen den Halm hinunter. „Sind sie animiert?", fragt sich die von der Informationstechnologie faszinierte Narzisse. „Wozu ist IT mit dem richtigen Code in der Lage?“ Und mit  einem Blütenzwinkern: „Was ist hier künstlich und was ist echt, wenn es um Emotionen geht“? 

 

Animated Icon | Daffodil 

How it began. 

The raindrops on the blades of grass are in this picture the “icons”. Drops are running down the blade. “Are they animated”? wonders the Daffodil, which is fascinated by IT. What impact can IT with the right codes have? And with a little twist looking at the (tear)drops: “What is fake and what is real when it comes to emotions”? 

 

Creating Peripersonal Space | Osterglocke 

Wie es war.                                                                                                                                 

Hast du das schon erlebt? Du unterhältst dich mit jemanden, den/die du kaum kennst, in der Unternehmenscafeteria. Einen Wein habt ihr noch nicht miteinander getrunken. Daraus folgt für einige Menschen in Deutschland (auch in anderen Ländern) und für dich – jedenfalls in unserer kleinen Geschichte: Mindestens eine Armlänge Abstand bis zum eigenen Nasenbein kann nicht schaden. Es darf auch etwas mehr sein. Analog zu deinem Wohlfühlprogramm möchtest du diesen Abstand unbedingt aufrechterhalten. Dein Gegenüber bevorzugt jedoch einen anderen Raumabstand: 50cm. Das liegt deutlich unter deinem. Was passiert? Du gehst einen Schritt zurück, um den einen Meter wieder herzustellen. 

Jetzt beginnt der Tanz: Du zurück, er/sie hinterher; du wieder zurück, er/sie wieder hinterher, … . Langsam steigt dir der Nackenschweiß in den Kragen. Du gehst in der Cafeteria zur 10 Meter entfernten Kaffeemaschine. Er/sie kommt auch und steht wieder (für dich nur) 50cm entfernt neben dir. Da schiebst du einen plötzlichen Termin vor. 


A fragt sich: Warum gibt er/sie mir auch nicht genug Raum?                                                                             B fragt sich: Warum ist er/sie so abweisend? 


Es hätte so schön werden können :) 

 

Creating Peripersonal Space | Easter Bell

How it began.

Has this ever happened to you? You're talking to someone in your office building´s cafeteria whom you don’t know really. You have not yet drunk wine together. As a result, for some people in Germany (and in other countries): keeping a distance of at least an arm's length from your nose can't hurt. It can even be a little more. Analog to your own well-being program, you would like to maintain this distance or more at all costs. Your counterpart, however, has a different preferred social distance: 50cm. This is significantly less than yours. 

What happens? You take a step back and now the dance will begin: you back, he/she behind; you back again, he/she behind again, ... . Slowly your neck starts getting sweaty. You now go to the cafeteria´s coffee machine 10 meters away. He/she also follows after and stands again (only) 50cm next to you. At this moment you hit the brakes and claim you have a sudden appointment. 

 

Person A is asking her/himself: well, why doesn't he/she give me enough space? 

Person B is asking her/himself: why is he/she so dismissive? 

 

It could have been so wonderful :)

  

Langsam, Langsam | Deutsche Tulpe 

Wie es war.                                                                                                                                 

Du stehst an der Supermarktkasse. Deine Einkäufe gleiten gefühlte 10 Meter bis zur/m Kassierer/in, werden kurz über den Scanner gelupft und enden dann in einem 50cm kurzen Auffangbecken, wo sich deine bereits liebgewonnenen und bezahlten Waren bedenkenlos ineinander schieben. Hinter dir reiht sich ein Mensch an den anderen. Die Schlange reicht bis zur Brottheke. In der Vor-Corona-Zeit belief sich der Abstand zur/m Nächsten je nach Distanzabstand-Präferenz zwischen null Zentimetern (Hacke) und maximal einem Meter (mit Ausnahmen) im schönen Frankfurter Nordend. Für jemanden, der mit über die Jahre antrainiertem Sachverstand die Einkäufe entsprechend eines fein ausgeklügelten Systems auf das Band legt – bei mir: groß und schwer zuerst, dann kleiner werdend und fest, zum Schluss Waren mit Matschgefahr. 

Im Genick spürst du die finster schauenden Blicke des Hintermannes/der Hinterfrau nach dem Motto „ne, das doch jetzt nicht auch noch?!“, wenn tatsächlich noch ein Päckchen Backpulver vom Korb auf das Band wandert. Du verstaust deinem System folgend ratzfatz. Dann tönt  die Stimme des freundlichen Menschen hinter der Kasse: „Langsam, langsam“. Da stellen sich schon mal die Nackenhaare auf. Du weißt, dass es nett gemeint ist. Trotzdem (an manchen Tagen). 

Menschen ticken verschieden, wie wir ja alle wissen. Einfach unkommentiert machen lassen: Die einen in stoischer Ruhe linear eins nach dem anderen, die anderen systemisch in Nullkommanix, obwohl es für manchen chaotisch aussieht ;) Am Ende sind die Einkäufe im Beutel verstaut, und alle sind froh. 


Slowly, Slowly | German Tulip

How it began.

You stand at the supermarket checkout, your purchases glide for what feels like 10 meters to the cashier, are briefly lifted over the scanner, and then end in a 50cm short catch basin, where your desired and paid for goods push into each other without hesitation. Behind you, people line up. The line extends all the way to the bread counter. In pre-Corona days, the distance to the next person, depending on distance preference, was between zero centimeters (heel) and a maximum of one meter (with exceptions) in Frankfurt's beautiful Northend. For someone who acquired expertise over the years on how to effectively and efficiently store things up, purchases are placed on the belt according to a finely tuned system - in my case: large and heavy first, then smaller and firmer, and finally goods with a risk of getting mushy. 

You feel the frowning looks of the person behind you on the back of your neck, "oh no, not that item on top!” Then you hear the voice of the friendly person behind the cash register saying to you: "slowly, slowly” while you are putting goods swiftly into your shopping bag. Hairs on the back of your neck stand up. You know it's meant nicely. Still (on some days). 

People tick differently, as we all know. Just let us do it without comment: Some in stoic calm linear fashion one item after another without system, the others systemically in no time, although, it looks chaotic to some ;) In the end, the purchases are stowed in the bag, and everyone is happy.
 

Metamorphose | Vase mit sich verwandelnden Blumen 

Wie es war.                                                                                                                                 

Es musste eine Veränderung her. Nicht nur das Motiv selbst, sondern auch der Stil, in dem die Blumen gemalt sind. Alles andere sollte gleich bleiben. Die Blumen mussten sich verwandeln, aber konkret bleiben. Zu „doodeln“ war bei mir besonders beliebt während der Schulzeit und später an der Uni zur Entspannung. Doodeln kam zu mir zurück als Ausdruck von „Verwandlung“. Ich begann, daran zu arbeiten. 

 

Ich wollte keine Veränderung im zeitlichen Raum. Keine Blumen, die verwelken und in irgendeinem Zwischenstadium stecken bleiben. Ich wollte das Stadium der "echten" Transformation im konkreten Raum (gefolgt von meinem Bild „Empathie“). Doodle sei Dank. 

 

Metamorphosis | Vase with Flowers Turning into Something New 

How it began. 

There had to be a change. Not only the motif itself but also the style in which the flowers are painted. Everything else should remain the same. The flowers should change but remain concrete. "Doodling" has always been particularly popular with me during school hours or at university to relax. Doodle came back to me, and I started to work on it. 

 

I didn't want any change in the temporal space. No flowers wilting and being stuck in some intermediate stage. I wanted the stage of "real" transformation in concrete space (followed by my painting “Empathy”). Thanks to Doodle. 

 

Empathie | Vase mit 13 Personen 

Wie es war.                                                                                                                                 

Die Metamorphose der Blumen war abgeschlossen (siehe Bild „Metamorphose“). Wie ist das wohl, sich in Blumen sprichwörtlich hineinzuversetzen, empathisch zu sein? Wie fühlt sich das an, als Mensch unter 12 weiteren Menschen in einer Vase zu stecken? Es war auch ein Selbstversuch: Ich befand mich mit verrutschtem Seitenscheitel ebenfalls in dem Gefäß und musste feststellen, dass die Vorstellung, draußen am Holztisch zu sitzen mit Blick auf den Garten und entferntem Wasser, deutlich angenehmer war, als dicht beieinander im engen Nass zu hocken. In anderen Situationen geht es mir ähnlich: Sich hineinzuversetzen, kann schon ernüchternd sein. :)
 

Empathy | Vase with 13 People 

How it began. 

The metamorphosis of the flowers was completed (see picture "Metamorphosis"). I wondered what it's like to literally see things from a flower´s perspective, in order to be empathetic. How does it feel to be a human being among 12 other people in a vase? It was also a self-experiment: I found myself in the vessel as well, with my hair parted out of place, and found that the idea of sitting outside at the wooden table with a view of the garden and distant water was much more pleasant than squatting close together in the wet confines. I feel the same way in other situations: putting myself into the shoes of others can be disturbing. 😊 ^_^ 
 

Digital Literacy | Heide 

Wie es war.                                                                                                                                 

Derselbe Tag wie bei „Reziprozität“: Die Norddeutsche Tiefebene und dort der höchste Punkt bei geschmeidigen  40 Grad Hitze. Ächz! Da wird es schon mal anstrengend. Da verwandeln sich auch mal die winzigen Heideblüten in sengender Glut zwar nicht in Oasen am schwirrenden Horizont aber immerhin in Einsen und Nullen (und von „Einsern“ habe ich das letzte Mal in der Schulzeit halluziniert). Tja, so ist das nun mal: Die einen träumen von wild-romantischen Begegnungen im Heidekraut, die anderen von Codierung in der digitalen IT-Welt.

Meine IT-Welt hat indes sehr wenig mit der Profi-IT-Welt zu tun. Hier ächz(t)e ich schon, wenn ein Text verloren geht und ich nicht weiß, wie ich ihn widerherstellen soll. Wenn ich eine 80 Seiten Folienpräsentation per Mail verschicken will aber das Datenvolumen deutlich überschritten ist. Wenn ich mitten in der virtuellen Präsi ins Nirwana geschossen werde. Es gibt noch viele andere lustige Situationen – Hund zerbeißt das Netzkabel - … Vieles löse ich mittlerweile locker. In meiner digitalen Alphabetisierung bin ich bereits bis zum Buchstaben „O“ vorgedrungen. Work in Progress :)
 

Digital Literacy | Luneburg Heath 

How it began. 

The same day as in "Reciprocity": The North German Plain and here the highest point in a cozy 40 degrees heat. Phew! That's where it gets exhausting. The tiny heath blossoms in the scorching heat don't turn into oases on the buzzing horizon but they do turn into ones and zeros in my phantasy (and the last time I hallucinated about "ones” as in A`s in other than the German school system was in my school days), Well, that's the way it is: Some dream of wild-romantic encounters in the heath, others of coding in the digital IT world. 

 

My IT world, however, has very little to do with the professional IT world. Here I already groan when a text is lost, and I don't know how to recover it. When I want to send an 80-page slide presentation by e-mail but the data volume is clearly exceeded. When I am shot into nirvana in the middle of a virtual meeting. There are many other funny situations - dog bites the power cord - ... In the meantime, I resolve many of them easily. In my digital alphabetization, I have already reached the letter "O". Work in Progress :)
 

Love you ... too | Tulpen 

Wie es war.                                                                                                                                 

Ich hatte nach etwas gesucht, das aus meiner Sicht DEN uneigennützigen, bedeutendsten Wert darstellt, den Menschen in sich tragen können und dem gleichsam schönsten und stärksten positiven Gefühl: die Liebe. 

Tulpen lassen auf Grund ihrer Blütenform in ihr tiefes Innerstes schauen und schaffen so Vertrauen. Sie mussten nur noch einander über die Wolken tragen, denn verleibt sein bis über beide Ohren können sie ja mangels Hörorgan nicht. Das bestimmte dann die Perspektive des Bildes. 

 

Love you ... too | Tulips 

How it began. 

I had been looking for something that, from my point of view, represents the most unselfish, significant value that people can carry within themselves and the most beautiful and strongest positive feeling: love. 

 

Tulips allow you to look into their innermost depth and in this way create trust. They make a nice metaphor for “love”. I wanted them to carry each other over the clouds because they cannot be head over heels in love due to the lack of heels ;) The elevation determined the perspective of the painting. 
 

Cyber Lead Where are You? / Cosmea 

Wie es war.                                                                                                                                 

Ein Garten-Buffet für Bienen sollte es werden. Unter all den Blumensamen, die sich im zum „world best“ Mietshaus dazugehörigen Garten, in unserem Garten im liebenswerten Frankfurter Nordend ansamten, wuchs das „Schmuckkörbchen“, wie die Cosmea auch heißt, am prächtigsten heran. Immer größer, immer höher, schoss sie an den anderen Blumen und auch an mir vorbei gen Himmel. Dabei reckten durchaus nicht alle Blüten ihre Köpfe in dieselbe Richtung: Manche schauten nach oben, manche zur Seite, andere nach unten als suchten sie etwas. Nur was? 

Dill-ähnlich schoben sich die zahlreichen sehr schmalen und  langen Cosmeenblätter in die Gartenwelt. Von weitem sahen sie aus wie ein zart-grünsilbriger Fischschwarm in einer virtuellen Welt. Er bewegte sich synchron. Ein cleveres Team, das sich als Einheit verstand und gemeinsam einen starken Online-Auftritt lieferte. Die rosafarbenen  Cosmeenblüten  schauten sich nach ihrem Cyber-Lead um. Eben noch da und plötzlich vom Cosmos in eine andere Umgebung befördert, riefen sie: Cyber Lead Where are You? 
 

Garden Cosmos / Cyber Lead Where are You?    

How it began. 

It should become a garden buffet for bees. Among all the flower seeds that accumulated in the garden belonging to the "world best" apartment building, in our garden in the lovely Frankfurt Nordend, the "Jewel Basket", as the Cosmea is also called, grew up most magnificently. Larger and larger, higher and higher, it shot past the other flowers and also past me towards the sky. Not all the blossoms stretched their heads in the same direction: some looked up, some to the side, others down as if they were looking for something. Only what? 

Dill-like, the numerous very narrow and long cosmea leaves pushed their way into the garden world. From a distance, they looked like a pale greenish-silver shoal of fish in a virtual world. It moved in sync. A clever team that saw itself as a unit and together delivered a strong online presence. The pink cosmos flowers looked around for their cyber lead. Just there and suddenly transported by the Cosmos to another environment, they called out: Cyber Lead Where are You? 
 

Engelstrompete / Fake News!! 

Wie es war. 

Sie war nicht zu übersehen. Und mit etwas Vorstellungskraft auch nicht zu überhören. Die Laune eines grauen Tages führte mich in den Bethmannpark im liebenswerten Frankfurter Nordend. Fotos von verschiedensten Blumen, die ich bis dahin für diese Bildaussage gemacht hatte, kamen nicht mehr in Frage. Für mich wollte „Fake News!“ aus genau dieser alkaloiden Engelstrompete tönen: gealtert und im Wind nochmal aufgeblasen. 

 

Wie kommst Du darauf? Was macht Dich so sicher? Woher hast Du die Informationen? Würdest Du einen für Deine Verhältnisse hohen Betrag darauf verwetten? Einen Geldbetrag, der schmerzt, wenn Du ihn verlörest, falls nicht stimmt, was Du da von Dir gibst? – hörte ich die Verwandten und Bekannten fragen. So wie wir es als Kinder auch gespielt haben: „Wetten?“ Und dann war da noch „Nach der Wahl ist vor der Wahl“ – wie überall auf der Welt. Viel fragen hilft viel (außer: die Warum-Frage stellen, die nach dem persönlichen Verhalten fragt – aber das ist eine andere Geschichte ;) 

 

Und hier die Marina-Das noch!-Version 

In ihrem Artikel Why Our Brains Love Fake News - and How We Can Resist It https://www.nyu.edu/about/news-publications/news/2018/june/jay-van-bavel-on-fake-news.html  hat Eileen Reynolds, Autorin für die New York University (NYU) News Stories, im Jahr 2018 zusammengestellt, was der Sozialpsychologe und Professor an der NYU, Jay van Bravel, dazu herausgefunden hat. Er untersuchte den Aspekt `partisan allegiancies´ (blinder Gehorsam) im Rahmen von `Vermeidung kognitiver Dissonanzen´ und wie diese Form der „Loyalität“ das analytische Denken be-/verhindert. Danach kann allein die Parteizugehörigkeit mit entsprechender Folgebereitschaft weit mehr über die Zustimmung oder Ablehnung eines Aspektes entscheiden als die tatsächliche persönliche Wertehaltung. Falschmeldungen werden billigend in Kauf genommen. Forschungsergebnisse weisen darüber hinaus auf eine mögliche genetische Disposition für politische Überzeugungen hin: Eine Studie hat gezeigt, dass eineiige Zwillinge viel eher politische Überzeugungen teilen als nicht eineiige Zwillinge. Van Bravels  eigene Studie geht sogar noch weiter. 

 

Bedeutet dies, dass es unmöglich ist, jemanden von etwas zu überzeugen, was er/sie  nicht bereits glaubt, fragt Reynolds in ihrem Artikel. Und weiter: Wie steht es damit, Schwächen in der Schlüssigkeit innerhalb der Argumentation des anderen aufzuzeigen? Van Bravel verweist auf Forschungen, die zeigen, dass es am besten ist, nicht in die Offensive zu gehen, sondern Fragen zu stellen wie „Woher wissen Sie das?" oder „Warum ist das so?“ Ziel ist nach van Bravel, die andere Person dazu zu bringen, ihre eigene Unsicherheit zu dem Thema zu entdecken. 

 

Einen Bezug zu einem exklusiven geografischen Raum kann ich zu allem, was ich über das Thema “Fake News” gelesen habe, nicht finden. Im Gegenteil. In der 43-minütigen ZDF Video-Dokumentation Die 7 großen Lügen der Menschheithttps://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/die-sieben-grossen-luegen-der-geschichte-102.html aus dem Jahr 2020 wird eindrücklich gezeigt, dass die Weltgeschichte mit Lügen aus der Politik – Fake News – gespickt ist und zu dramatischen Wendungen führt/e. 

Und zu guter Letzt: Wie steht es mit uns als „Spreader“? :)  ^_^ 
 

Angel´s Trompet / Fake News!! 

How it began. 

You couldn't miss them. And with a little imagination, you couldn't fail to hear them either. A grey-day mood led me to the Bethmannpark in lovely Frankfurt Northend. All the photos of various flowers that I had taken until then for this pictorial statement were out of the question. For me, "Fake News!” wanted to be shouted out from exactly this alkaloid angel´s trumpet: aged and bloated in the wind once again. 

 

I heard relatives and friends asking: how did you come up with that? What makes you so sure? Where did you get the information from? Would you bet a large amount of money on it, an amount of money that would really hurt if you lost it? And you would lose it if what you claimed to be true turned out to be wrong. Just as we played it as children: “wanna bet?" And then there was the general idea of "after the election is before the election” all over the world being the same. Asking a lot of questions helps a lot (except asking the why-question when it concerns personal behavior - but that's another story ;) 

 

And here's the Marina-That on top!- version 

In her article Why Our Brains Love Fake News - and How We Can Resist It https://www.nyu.edu/about/news-publications/news/2018/june/jay-van-bavel-on-fake-news.html, Eileen Reynolds, author of New York University (NYU) News Stories, has summarized what the social psychologist and NYU professor Jay van Bravel discovered in 2018. He examined the aspect of 'partisan allegiances' (blind obedience) in the context of 'avoiding cognitive dissonance' and how this form of 'loyalty' hinders/disables analytical thinking. According to this, sheer party membership and willingness to follow that particular party can decide whether to approve or reject an aspect, far more than the actual personal values. False reports are accepted with approval. Research results even point to a possible genetic disposition for political convictions. A study has shown that identical twins are much more likely to share political convictions than non-identical twins. Van Bravel's own study goes even further. 

 

Does this mean that it is impossible to convince someone of something s/he does not already believe asks Reynolds in her article. And further: What about showing weaknesses regarding the conclusiveness of other person's argumentation? Van Bravel refers to research that shows the best thing to do is not to go on the offensive but to ask questions like "How do you know that?" or "Why is that so?” According to van Bravel, the goal is to make the other person discover his or her own insecurity on the subject. 

"Fake News" is not peculiar to a certain time or place. On the contrary, in the 43-minute German ZDF video documentary The 7 Great Lies of Mankind https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/die-sieben-grossen-luegen-der-geschichte-102.html  from June 2020 it is impressively shown that world history is riddled with lies in politics - Fake News - and leads to dramatic twists and turns.         

And last but not least: how about us as "spreaders"? :) ^_^ 

  

Anemone / No way! 

Wie es war. 

„Igitt, da fehlt `was!“, nämlich ein fünftes Blütenblatt, war meine spontane erste,  bewusst absurde Blumenbotschaft ob der Schönheit der Pflanze, als ich die Anemone (A.) auf dem Büttenkarton skizzierte. Daraus entwickelte sich in meinem Kopf ein kurzes Geplänkel zwischen der purpurnen Schönen und dem kritischen, oberflächlichen Vorbeigehenden (V.). Etwa so: 

 

V.: „Igitt, da fehlt `was!“ 

A.: „Nerv´ mich nicht.“ 

V.: „Da kann man vielleicht  `was machen!“ 

A.: „No way!“ 

 

So in etwa kam ich auf das „No way!“ Und dann entstand eine ganze Flut an Situationen in meinem Kopf, wo ein von Charme befreites „Ne – auf keinen Fall!“ unglaublich viel Sinn gemacht hat. Es war ein Vergnügen. Und warum auf Englisch? Is` einfach kürzer :)
 

Anemone / No way! 

How it began. 

"Yuck, there is something missing!”, namely a fifth petal. Given the beauty of this plant, my first spontaneous flower message was deliberately absurd when I sketched the Anemone (A.) on the handmade cardboard. This developed into a verbal exchange in my head between this purple good-looking flower and a critical and shallow passer-by (P.). Something like this: 

P.: "Yuck, something is missing!” 

A.: "Don't get on my nerves." 

V.: "Maybe you can do something about it!” 

A.: "No way!" 

 

That's how I came up with "No way!" And then a whole flood of situations arose in my head, where a charm freed "Nope - no way!" made incredible sense. It was a pleasure. And why in English and not in German? It´s simply shorter :)
 

Kunigundenkraut mit Tagpfauenauge / Reziprozitaet 

Wie es war.                                                                                                                                 
Es war wunderbar. Wir waren mal wieder gemeinsam unterwegs wie so oft. Meine Tochter und ich. Sehr gerne in Norddeutschland und dieses Mal in der Lüneburger Heide, woher meine Mutter kam und wohin sie nach Jahrzehnten im Oberhessischen in einer Urne zurückkehrte. Da ruhte sie nun in einem Waldstück nahe dem „Totengrund“, dem Teil des von meiner Mutter so geliebten Naturparks zwischen Wilsede, Sellhorn und Behringen. 

Wir irrten an jenem sehr heißen Sommertag zu Fuß durch die Heide: Oberhaverbeck, Wilsede, Totengrund, Wilseder Berg, Wilsede und warum nicht von dort zu Mamis/Omis Heide-Eiche - irgendwie? Leicht dehydriert und deutlich genervt ob all der gewanderten Kilometer schlugen wir uns auf einen Seitenweg. Da sahen wir sie: Tagpfauenaugen, viele, sehr viele und Kunigundenkraut im Übermaß. Manche nennen es auch Wasserdorst. Doch was ist schon Wasserdorst im Vergleich zu dem Wohlklinger Kunigundenkraut – Königin Kunigunde – das indes ist eine andere Geschichte. Ich knpiste. Mein Kopf schaltete sich ein und sagte „Reziprozität“. Kein Wort, das flutscht aber ich kannte es aus einem anderen Kontext. Gegenseitigkeit oder noch schöner Wechselseitigkeit: ohne Kraut kein Falter und ohne Falter kein Kraut. Hat mir eingeleuchtet. 
 

Agrimony with Peacock's Eye / Reciprocity 

How it began. 

It was wonderful. We were once again on the road together as we often were. My daughter and I. Like in the past we really enjoyed being in Northern Germany and this time in the Luneburg Heath, where my mother was from and decades later after she passed away returned in an urn. Well, my mother returned to her roots in this urn and rested in a wooded area near the "Totengrund", a part of the nature reserve my mother loved, and a heathland valley between Wilsede, Sellhorn and Behringen in the nature park. 

 

We hiked in the heath on that very hot summer day: Oberhaverbeck, Wilsede, Totengrund, Wilseder Berg (169.2 m and the highest point on the Northwest German plain) back to Willsede, and why not from there to Mom`s/Grandma`s special Heath-Oak - somehow? Slightly dehydrated and clearly annoyed by all the kilometers we hiked, we hit a side path. There we saw them: Peacock butterflies, many, lots and lots in a world of Agrimonies. Completely amazed I started taking photos. Something in my mind clicked and said "reciprocity". Not a word that slips out of a German mouth with ease but I knew it from another context. Reciprocity: without a butterfly no blossom, without a blossom no butterfly. It made sense to me. 

 

Gänseblümchen / Trust 

Wie es war. 

Erst kam „Trust“ und dann „Vielleicht!?“ In dieser Reihenfolge hatte ich gemalt. Zurück zum Anfang: Im zum „world best“ Mietshaus dazugehörigen Garten, in unserem Garten im liebenswerten Frankfurter Nordend zu Beginn von Corona, konnte ich gar nicht anders, als die vielleicht 60 auf unserem Rasen verstreut stehenden und frech drein schauenden Gänseblümchen im Masken-Schmuck zu sehen. Da musste ich an meinen ersten Herzensbrecher denken, Harry B. Ich fand ihn sooo toll.

Wie alle Fünfjährigen konnte ich ganz prima mit den zu zupfenden Gänseblümchen den Klassiker-Abzählreim souverän durchführen – meistens: „Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich, er … äh, wo war ich? Oh, meine Güte, wenn das jetzt falsch war!!“ Und schwupp das nächste arme Gänseblümchen rupfen - Retest sozusagen. Von da an war es natürlich bis zu „Trust, No Trust, Trust“ nur noch ein Katzensprung. 

Tja, und Vertrauen ist nun mal ein wichtiges Thema in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Blöd, wenn wir Mund-Fixierten nun ausgerechnet diesen Teil des Gesichtes nicht sehen können. Da bleibt dann nur noch der Abzählreim ;)
 

Daisy / Trust 

How it began. 

First came "Trust" and then "Maybe!?" I had painted them in that order. Back to the beginning: In our garden belonging to the "world best" “ (as far as the tenants are concerned) more than 120-year-old apartment building, in Frankfurt's lovely Northend at the beginning of Corona, I couldn't help but see the perhaps 60 daisies scattered on our lawn, looking very cheeky and, how I imagined it, wearing masks. Then I had to think of my first heartbreaker, Harry B. I thought he was sooo cute.

Like all five-year-olds, I was usually able to master the classic counting rhyme with the daisies to be plucked. "He loves me, he loves me not, he loves me, he... uh, where was I? Oh, my goodness, if that was wrong!” And swoop - the next poor daisy - retest so to speak. From there it was of course only a stone's throw to "Trust, No Trust, Trust". 

 

Well, trust is an important topic in interpersonal communication. It's too bad if we, who are mouth-fixated, can't see this part of the face. That leaves only the counting rhyme. :)
 

Echinacea / Vielleicht!? 

Wie es war. 

„Trust“ hatte ich gemalt. Die Frage nach Freund oder Feind war durch die Gänseblume bereits gestellt. Ein Freund oder eine Freundin wird wohl von den meisten bevorzugt werden. Davon ausgehend wollte ich mich nun auf die Suche nach der perfekten Maskenträgerin begeben. Für mich war klar, dass ich nach einer Blumenfrau suchen würde mit exponiertem rundem Kopf. Danach hielt ich Ausschau. An der Grenze des liebenswerten Frankfurter Nordends zur Innenstadt, am Cityring, Scheffeleck Ecke Eckenheimer Landstraße, standen sie majestätisch und blickten wie verabredet in eine Richtung. Möglicherweise trugen sie auch Prada; ganz sicher den Mund-Nase-Schutz – klar, bei diesem Kopf.
 

Diese Echinaceas waren Flirt-Exemplare ohne Frage. Typischerweise offen blieb die Antwort darauf: Wollen sie einen nächsten Schritt gehen oder nicht? Die un/entschlossene Blumenfrau klärte es mit der Ausrufezeichen-Fragezeichen- Aussage; in der Grammatik zwar unbekannt gleichwohl extravagant. Das konnte nur sie: Die Ergebnisorientierung zeitgleich mit der Prozessorientierung in einem Atemzug auf den Weg bringen und so für maximale Verwirrung sorgen. Obendrein war der Mund unserer Majestät verdeckt. Verführerischer ließ sich Vielleicht!? kaum spielen. 

Echinacea / Maybe!? 

 How it began. 

"Trust" I had already painted, with it the question of friend or foe was asked by the daisy. Preferably it should be a friend. With this in mind, I wanted to start the search for the perfect mask-wearing flower. For me it was clear that I would be searching for a “lady flower”, one with a strikingly round head. That was what I was looking for. Near the city center, at the Cityring, Scheffeleck corner of Eckenheimer Landstraße in lovely Frankfurt Northend, the Echinaceas stood majestically, and as if they had jointly agreed, all the flowers looked in one direction. Maybe they also wore Prada; they definitely wore the mouth and nose protection – sure enough, with this head. 

 

These Echinaceas were flirtatious. Do they want to take the next step or not? Typically, the answer to this question remained open. The in/decisive flower-woman clarified this with the “exclamation mark-question mark-statement”, unknown in grammar but nevertheless extravagant. Only she can do that: to get the result orientation going at the same time as the process orientation in one breath and thus contributing to maximum confusion. And on top, the mouth of our majesty was covered. “Maybe!?” could hardly been played more seductively. 
 

Rose / System relevant 

Wie es war. 

Wir fuhren nicht mit dem Fahrrad. An diesem schönen Corona-Sonntag gingen wir im liebenswerten Frankfurter Nordend zu Fuß. Ich mochte das. Alles blühte. Da wäre  es blöd gewesen, zum wiederholten Mal eine zu fotografierende Blume zu entdecken, die Fahrradbremse zu ziehen und hinterher zu brüllen: „Warte mal kurz! Ich muss mal fotografieren!“ Nicht gut für die Bremsen, nicht gut für die Beziehung. Also spazierten wir. Und so bogen wir in die bescheiden imposante obere Günthersburgallee ein: Der obere Teil der Allee spuckte seinerzeit einen Jahrhundertwendealtbau nach dem anderen aus. Ob die zahlreichen Rosenstöcke auch an die 120 Jahre auf der Dorne hatten, wusste ich nicht. 

Viele prächtige Stöcke waren es jedenfalls. Ganz besonders gerne mochte ich Sattgelbe. „Halleluja! Ist diese Blüte faszinierend!“. Schon streckte ich ihr mein Smartphone entgegen, da flog just in dieser Sekunde, in der ich fotografieren wollte, eine Biene – auf jeden Fall eine Bestäuberin – in die Blüte hinein. 

Zeitgleich war landauf, landab die Rede von jenen bemerkenswerten Menschen, die das Gesundheits-, Bildungs- und Versorgungssystem am Laufen hielten. Ihnen wurde applaudiert. Genau das tat ich auch. Ich habe sogar bei geöffnetem Fenster die „Ode an die Freude“ mitgesungen. Auch heute sehe ich diese Systemrelevanz. Ich beispielsweise bin zwar nett, aber nicht unbedingt System relevant. Sozusagen „nice to have“, aber nicht „need to have“. Das geht für mich schon so in Ordnung.
 

Rose / System Relevant  

How it began. 

We didn't ride our bikes. On this beautiful Corona Sunday in the lovely Frankfurt Northend we went by foot. Everything was blooming. It didn´t make sense while riding the bike to discover a flower to be photographed - again, hit the bicycle brakes and yell: "Wait a minute, PLEASE! I have to take a (another) picture!" Not good for the brakes, not good for the relationship. Walking was indeed the better choice. So we turned into the modestly imposing Günthersburgallee. The upper part of the avenue spewed out one turn-of-the-century building after another at this time. I didn't know if the numerous rose bushes had about 120 years on their thorns also. 

Whatever there were dozens of splendid rose bushes on the front lawns. I especially liked the rich yellow ones. “Hallelujah! This flower is fascinating!” I was already stretching my smartphone towards the rose and ready to take the photo when a bee - definitely a pollinator – flew right onto the wide-open blossom. 

 

At the same time, all over the country, the talk was of those remarkable people who kept the health, education, and care systems running. They were applauded. And I applauded them, too. I even sang the "Ode to Joy" with the window open. Today I can still see their system relevance. I, for example, am nice but not necessarily system relevant, more like, "nice to have" but not "need to have". That's all right for me. 

 

Klatschmohn / Alternative Fakt? 

Wie es war. 

Am Zaun stand er. Es war diesig. Ein leichter Wind ging. Ich war auf dem Weg zu einem meiner Lieblingsgebäude in Frankfurt Preungesheim. Der Bau an sich war groß, gleichförmig und zum Haupteingang hin schattenlos. Er saugte wie ein Staubsauger mit starkem Sog und leerem Beutel. Wer das Angebot im Innern des Gebäudes liebte wie ich, ließ sich gerne einsaugen. Kunstbedarf. Viele Quadratmeter mit allem, was die Fantasie begehrte. Da war es schon gefühlter Widerstand, der mich an dem Klatschmohn stehenbleiben ließ. 

 

Was hatte der da zu suchen so am Zaun? Ganz allein. Diese große Blüte auf einem völlig überproportional langen wie hauchdünnen Stengel. Der Klatschmohn mit seinem erahnten Schatten. Und dann fragte ich mich: Kann ein Schatten und das, was ich darin sehe, die Alternative zur Realität sein? Was mich an die Geburtsstunde der sprachlichen Wendung „Alternativ Facts“ im Washingtoner Januar 2017 erinnerte; diese Wendung wollte ich illustrieren. Dem Klatschmohn sei Dank. 

 

Und hier die Marina-Das noch!-Version 

Am 22. Januar 2017 versuchte Kellyanne Conway, Trump Beraterin von 2016 bis August 2020, in einem Interview in der NBC-Talksendung Meet the Press die falsche Behauptung von dem damaligen republikanischen Pressesprecher, Sean Spicer, zu Donald Trumps Vereidigung in Washington seien mehr Besucher/innen gekommen als zu Barack Obamas Vereidigung 2009, mit dem Konstrukt „alternative facts“ geradezurücken. In Österreich und Deutschland wird „Alternative Fakten“ 2017 zum Unwort des Jahres gewählt. Alle großen deutschen Zeitungen berichteten und/oder kommentierten. 

Poppy / Alternative Fact? 

How it began. 

At the fence it stood. It was hazy. A light wind was blowing. I was on my way from the parking lot in Frankfurt Preungesheim to one of my favorite buildings. The building itself was large, blocklike, and shadeless towards the main entrance. It sucked like a strong vacuum cleaner with an empty bag. And those who loved the offerings inside the building as much as I did were happy to be sucked in. Art supplies. Many square meters with everything imagination desired. It was almost the feeling of resistance that made me stop at the Corn Poppy.                                                                        

 

What was the flower doing at the fence? All alone. This very tall flower on its completely disproportionately long and wafer-thin stem. The Poppy with its vague shadow. And then I asked myself: can a shadow and what I see in it be the alternative to reality? Which reminded me of the birth of the linguistic expression "alternative facts" in January 2017 in Washington; I wanted to illustrate this linguistic twist. Thanks to the corn poppy. 

And here's the Marina-That on top!- version 

On January 22, 2017, Kellyanne Conway, Trump's advisor from 2016 to August 2020, in an interview on the NBC talk show Meet the Press, tried to somehow rectify the false assertion of the Republican then spokesman, Sean Spicer, that more people attended Donald Trump's swearing-in in Washington than attended Barack Obama's swearing-in in 2009 by using the expression "alternative facts". In Austria and Germany, "alternative facts" had been voted for as the unword of the year in 2017. All major German newspapers reported and/or commented. 

  

Stiefmütterchen / WOW 

Wie es war. 

Im Hintergrund lagen die Schieferdächer des liebenswerten Frankfurter Nordends. Vor dieser Kulisse baute sich in unserem Blumenkasten ein prächtiges blau-violettes Stiefmütterchen auf. Stiefmütterchen werden nachgesagt, ein Gesicht zu haben. Ich behaupte, bei genauem Hinsehen findet sich in jeder Blüte ein tanzender Peter Pan oder eine flatternde TinkerbellJ So oder so: In meinem Stiefmütterchenland wurde gesprochen. 

 

Das Stiefmütterchen war meine erste Blume, die etwas zu sagen hatte. Es musste etwas Euphorisches sein, das zur Pan-Tinkerbell Family passte. Das Gesagte wollte obendrein grafisch dargestellt werden. Eine Nebensuche tat sich auf. WOW ist schlau – ein Palindrom. Es liest sich von vorne nach hinten gleichermaßen wie von hinten nach vorne. Wunderbar eindeutig was die Buchstabenfolge betrifft. WOW kann für mich sowohl Ausdruck von etwas in freudiger Überraschung Wahrgenommenen als auch Anerkennung mit klarer positiver Wertung sein nach dem Motto: Toll gemacht! Das musste doch mal gesagt werden.

Pansies / WOW 

How it began. 

In the background were the slate roofs of lovely Frankfurt Northend. Against this setting there stood a magnificent blue-violet pansy in our flower box. Pansies are said to have a face. I claim that if you look closely you will even find a dancing Peter Pan or a fluttering Tinkerbell in each flower. However, in my Pansy Land flowers talked. 

 

The pansy was my first flower that had something to say. It had to be something euphoric that fitted the Pan-Tinkerbell Family. On top of that, what was being said wanted to be represented graphically. A secondary search opened up. WOW is a clever word – a palindrome. It reads from front to back the same as from back to front. Wonderfully clear when it comes to the sequence of letters. For me, WOW can be both an expression of something perceived in joyful surprise or full recognition with a clear positive evaluation according to the motto: Well done! And that needed to be said, didn´t it? :)



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